Studie: Baukasten

Klaus Meier hat eine Bastelanleitung zu unserer Studie verfasst, allerdings scheinen ihm ein paar Instruktionen durcheinander geraten zu sein. Deshalb hier der tatsächliche Baukasten:

  • 1. Man suche in der Tat einen griffigen Titel, eine passende Überschrift, was Wissenschaftlern nicht immer gelingt.
  • 2. Man stelle sich die Frage, warum Journalisten in Umfragen immer beim Ansehen ganz hinten landen. Man frage sich ferner, wie bestimmte Fragen berufssoziologischer Studien auf die Bevölkerung gespiegelt werden können. Man konstruiere einen sauberen Fragebogen und zwar in mehrmonatiger Arbeit, beziehe in einem Methodenseminar Studierende ein, teste das Ganze mit mehreren Durchläufen und erstelle dann daraus einen professionellen Online-Fragebogen.
  • 3. Man nehme ein professionell geführtes Online-Panel eines internationalen Forschungsinstituts, das große Dax-Unternehmen zu seinen Kunden zählt, mit 80.000 registrierten Teilnehmern. Dann ziehe man eine an den Quoten des Mikrozensus orientierte bevölkerungsrepräsentative Zufallsstichprobe (14 bis 65 Jahre) von 5.947 Personen. Man definiere zusätzlich am MA-Rahmenschema orientierte Quoten, die sich an der Nutzerschaft bestimmter bundesdeutscher Leitmedien orientieren. Dann verschicke man die Einladungen und generiere 3.426 Teilnehmer. Dann screene man aufgrund der definierten Quoten 2.409 Teilnehmer aus. Die übrigen 1.017 Teilnehmer beenden den Fragebogen (angenommene Ausschöpfung 58%), der anschließend auszuwerten ist. Man erstelle einen 200-seitigen Ergebnisband auf Excel-Basis.
  • 4. Man kommuniziere für die Öffentlichkeit interessante Ergebnisse in der Presse, tiefergehend auch in der Fachpresse und ggf. noch spezieller und damit nur noch einem kleinen Kreis von Fachleuten zugänglich in wiss. Zeitschriften.
  • 5. Man stoße dabei auf interessante Widersprüche und generiere evt. damit auch neue Theorieverbindungen wie bei den unterschiedlichen Ost-West Einschätzungen.
  • 6. Man freue sich über valide Ergebnisse der Online-Forschung, deren methodische Erfolgsliste stetig länger wird (siehe zuletzt Hessenwahl 2009).
  • Nachtrag, Zusammenfassung: Insgesamt wurden rund tausend Personen (n=983) aus der deutschen Bevölkerung online befragt. Das YouGov Panel Deutschland (Online Access Panel) umfasst derzeit etwa 80.000 Mitglieder. Aus dieser Grundgesamtheit wurden die Teilnehmer zunächst per Zufallsauswahl zu der Befragung eingeladen und dann nach den Strukturen der deutschen Bevölkerung in Anlehnung an den Mikrozensus für die Altersgruppen 16 bis 65 Jahre quotiert (Teilnehmer, die nicht in die Quoten passen, werden ausgescreent). Zusätzlich zu den demographischen Quoten wurden in Anlehnung an die MA-Reichweiten der AG.MA (Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse) Quoten für bestimmte Lesergruppen definiert. Diese Befragung basiert somit nicht auf einer Zufalls-, sondern auf einer Quotenstichprobe. Dennoch können die Befunde als „bevölkerungsrepräsentativ“ bezeichnet werden.

    2 Gedanken zu “Studie: Baukasten

    1. Pingback: Wie man sich eine Journalismus-Studie bastelt. Sieben Tipps anhand des Fallbeispiels „Journalismus 2009“ « Journalistik

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