Im Rahmen der Ringvorlesung „Medienkonvergenz und neue Medien“ habe ich auf Einladung von Bernhard Pörksen (im Bild re.) über das Thema „Neue Quellen – schöne neue Recherchewelt?
Journalistische Kurzschlüsse und der Strukturwandel der Öffentlichkeit“ gesprochen. Dabei habe ich drei Fälle von Fehltransformationen in den Mittelpunkt gerückt: der Hoax „Bund deutscher Juristen“, die Ente „Winnenden, Tim K.“ und der Grubenhund „Bluewater“. In allen Fällen spielten Internet-Quellen wie Wikipedia, Facebook oder Twitter eine entscheidende, aber leider unheilvolle Rolle. Eine ausführlichere Fassung des Vortrags erscheint in 2010 im Band: Welker/Elter/Weichert: Pressefreiheit ohne Grenzen? im Halem Verlag. Die neue Abteilung Medienwissenschaft, die Bernhard Pörksen in Tübingen gerade aufbaut, findet offensichtlich gute Bedingungen vor, das war zumindest mein Eindruck.
Publizistik: Besprechung der Neuen Schriften und und und
In der aktuellen Publizistik werden in einem eigenen Essay von Nikolaus Jackob und Thomas Roessing die ersten vier Bände der Neuen Schriften besprochen – sehr gut wie ich finde. Der Beitrag ist öffentlich und hier abzurufen.
Aber das war noch nicht alles. Im Rahmen der „normalen“ Rezensionen bespricht Jan Schmidt im gleichen Publizistik-Heft den Band 5 der Neuen Schriften von Monika Taddicken.
„Der Blick hinein lohnt sich daher für alle, die an einer Übersicht und Reflektion des aktuellen methodischen und forschungspraktischen Stands in diesem Feld interessiert sind.“
Und damit nicht genug: Auch der Band „Sozialforschung im Internet: Methodologie und Praxis der Online-Befragung“ von Nikolaus Jackob, Harald Schoen und Thomas Zerback erschienen im VS-Verlag wird lobend erwähnt. Darin habe ich mit meinem Kollegen Uwe Matzat einen allgemeineren Beitrag geschreiben.
Und endlich zum guten Schluß: Auch der Band von Thorsten Quandt und Wolfgang Schweiger: Journalismus online (ebenfalls VS) wird von Lorenz Lorenz-Meyer besprochen: Darin bin ich mit einem Aufsatz zum Weblog-Gebrauch deutscher Journalisten vertreten.
„Der Sammelband zeigt, dass die Kommunikationswissenschaft in Sachen Journalismus und digitale Medien dem Anfängerstatus längst entwachsen ist.“
Dem kann ich beipflichten.
Übrigens Neue Schriften: Heute hat mein Kollege Carsten Wünsch die abschließend korrigierten Druckfahnen an den Halem Verlag geschickt. Band 8 ist also zum Greifen nahe.
Jan Schmidt – Das neue Netz
Habe mit Jan ein Buch getauscht – sein neues Werk gegen unser Buch zur Online-Inhaltsanalyse, das jetzt Ende des Jahres erscheint. Gestern war „Das neue Netz“ bei mir in der Post und ich habe bereits heftig darin gelesen. Mein Eindruck: Schön geschrieben, klarer Stil, verständlich und übersichtlich. Jan hat eine Fülle empirischer Quellen zusammengetragen, auch das macht das Buch lesenswert. Es ist nicht so anstrengend und abstrakt wie Christoph Neuberger/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (2009): Journalismus im Internet.
Mich interessierte bei Jan insbesondere das Kapitel 6.1 zu Journalismus und Web 2.0. Und tatsächlich: Viele interessante Quellen sind dort noch einmal zusammengefasst. Obwohl der Abschnitt hauptsächlich auf die Aggreagtions- und Publikationsseite eingeht, weniger auf die Entstehungsseite journalistischer Artikel. Aber diese Lücke gleicht der klare und unaufgeregte Stil des Artikels mehr als aus. Auch die fast 30 Seiten lange Bibliographie am Ende des Buches ist sehr nützlich.
Die Universität der Bundeswehr
will einen neuen Studiengang mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und kommunikative/journalistische Kompetenzen zum WS 10/11 einführen. Gestern war ich in Neubiberg und habe im Rahmen eines Workshops einige Ideen dazu ventiliert. Mit dabei waren auch die Kollegen Löffelholz und Altmeppen sowie mein MHMK-Kollege Vielwerth. Spannend mal diese Hochschule kennenzulernen, die ja normalerweise etwas separiert ist.
Rezeption als Interaktion; rkm-journal
Kleine Rezension von mir zu Peter Schumacher: Rezeption als Interaktion. Wahrnehmung und Nutzung multimodaler Darstellungsformen im Online-Journalismus.
Auf der neuen Rezensionsplattform r:k:m http://www.rkm-journal.de/ Die Herausgeber von r:k:m sitzen in Dortmund, Essen und Bochum, die Zeitschrift erscheint im Herbert von Halem Verlag mit Unterstützung der Stiftung Pressehaus. Online-Rezensionsplattformen sind m.E. eine super Sache, da nicht nur durch die Antwortfunktion direkt diskutiert werden kann, sondern auch die Rezensionsgeschwindigkeit insgesamt erhöht wird.
HuffPo: Wozu Journalisten ausbilden?
Richtiger Gedanke in der HuffPo von Peter Scheer (Harvard Law School): Ausbildungsstätten für Journalisten sollten sich v.a. darauf konzentrieren, den angehenden Journalisten die Potenzen des Internets zu vermitteln. Warum? Damit Journalisten in einer veränderten Öffentlichkeitsmatrix ihren Aufgaben gerecht werden können. Was Journalistenausbildung aber gar nicht leisten soll und kann: PR-Manager auszubilden:
Fair enough, but journalism school is not (and never has been) the appropriate background for PR. This is not a criticism of the PR profession. Public relations specialists, like lawyers (a club to which I belong), lobbyists and ambassadors, are all professional advocates. Being an effective paid advocate of a client’s point of view has absolutely nothing to do with journalism, other than perhaps the writing of press releases (a skill that can be learned in about 20 minutes).
Im Zentrum der Journalistenausbildung sollten vielmehr stehen:
[The] creative exploitation of digital media (…) More than a clever headline and powerful photos, the possibilities of online technology have to be integrated fully into the reporting–something that can best be done, in the first instance, by the journalist writing the story, not the techies in another building who run the paper’s website.
Das ist nichts anderes als ein Plädoyer für Online-Recherche bzw. Online-Reporting.
Innovationen im Journalismus?
Kurzweilige Zusammenfassung neuer Entwicklungen beim Elektrischen Reporter: http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/170/
Öffentlich-rechtliche Zeitungen?
Dazu heute Spiegel Online im Kulturressort. Auch in Deutschland geht die Krise weiter, wie die jüngsten Sparattacken auf die SZ-Redaktion zeigen. Das Modell einer ö-r. Ztg. protegieren ja auch hierzulande prominente Köpfe wie bspw. Weischenberg.
Die (neuen) Leiden der jungen Algorithmen
Sie sind mal wieder in der Diskussion. Diesmal nicht bei Google, sondern bei Burdas neuem Produkt nachrichten.de. Der Spiegel hat sich bereits ausgelassen, genau wie Turi2. Ich habe mal vor einiger Zeit einen Artikel über Leistung und Potential von Google News‘ Algorithmen in message geschrieben. Trotz aller Unzulänglichkeiten spannend.
Nieman Reports: Journalism and Social Media
Die Nieman Foundation for Journalism at Harvard hat hier ein Dossier über das obige Thema veröffentlicht. Weniger harte, empirische Wissenschaft als eine ganz anregende Zusammenfassung aktueller Trends. „In this issue they describe changes in how they work and what they produce, explore emerging ethical issues, and propose principles of active engagement. In Words & Reflections, essays touch on foreign news reporting, Afghanistan, netroots, objectivity, journalists’ political leanings, and Cold War spies.“ Auch Warnhinweise fehlen nicht, durchaus kritisch. Gefunden über das lesenswerte „medialdigital“ auf
http://medialdigital.de/2009/09/20/linktipps-zum-wochenstart-26/
