Onlinequellen in Beiträgen deutscher Leitmedien

Wie halten es führende deutsche Medien mit Internetquellen in ihren Beiträgen? Das wollte ich mal wissen und habe im Rahmen meiner laufenden Habil. über 4.000 Beiträge von Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeinen, Tagesschau und RTL News ausgewertet.
Im Detail wurde untersucht, wie hoch der Anteil von Onlinequellen in Nachrichten der Ressorts Politik und Zeitgeschichte von vier Leitmedien ausfällt und welches Gewicht die jeweilige Onlinequelle aufweist. Ferner wurde analysiert, wie sich diese Anteile im Längsschnitt verändert haben. Getestet wurden zwei Mediengattungen, TV und Print und Angebote, die aufgrund ihrer Reichweite und publizistischen Bedeutung als bundesrepublikanische Leitmedien definiert werden: Tageschau (20 Uhr Sendung), RTL-Aktuell (18.45 Uhr), Süddeutsche Zeitung (SZ) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Um eine Entwicklung nachzeichnen zu können wurden für die Analyse drei Jahre ausgewählt: 2004, 2006 und 2007 (2007: Januar bis einschließlich Juni). Insgesamt wurden 4.243 publizistische Einheiten (Beiträge) in vier Medienprodukten erfasst. Davon wiesen 211 Einheiten (5%) einen Internetbezug auf. Von diesen 211 Artikeln enthielten 46 einen Servicehinweis auf weiterführende Angebote im Internetangebot des jeweiligen Mediums, lediglich 165 Artikel (3,9% aller untersuchten Beiträge) enthielten journalistische Onlinequellen im eigentlichen Sinn. Insgesamt fiel dieser Anteil überraschend gering aus.

Die FAZ weist den geringsten Anteil von Artikeln mit Internetquellen im Betrachtungszeitraum 2004 bis 2007 auf. Es folgt die Tagesschau, die SZ und die Redaktion mit dem höchsten Anteil, RTL-News. Letztere hatten auch den höchsten Anteil von Serviceverweisen zu ihrem Internetangebot zu verzeichnen, eine Praxis, welche die Tagesschau erst jüngst intensiviert hat.

Im Zeitverlauf war ein klarer Zuwachs von Beiträgen mit Internetquellen zu erkennen. Von 2004 zu 2006 hat sich die Zahl der Beiträge mit mindestens einem Verweis auf eine Internetquelle um 75 Prozent erhöht, von 2006 zu 2007 stieg die Zahl um weitere 25 Prozent an. Eine Differenzierung nach Medium zeigt allerdings, dass die Tagesschau (20 Uhr) und die FAZ keinen eindeutigen Trend aufweisen, sondern von 2006 auf 2007 ihre Internetquellen wieder reduzierten. Klare Aufwärtstrends verzeichnen dagegen RTL-News und die SZ.

Übrigends: Danke in diesem Zusammenhang an meine beiden Codierer Benjamin und Tom, die ebenfalls hart gearbeitet haben!

3 Antworten auf „Onlinequellen in Beiträgen deutscher Leitmedien“

  1. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, welche Onlinequellen zitiert werden: Es sind überwiegend URLs von Institutionen oder etablierten NGOs, kaum Foren oder Stimmen „normaler“ Bürger. Eine Sonderklasse bilden die Sites von Terrorgruppen und Amokläufern.

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