Little Brother und Big Brother

Themenabend bei ARTE: Über die informatorische Überwachung und die zunehmende Gefährdung der Demokratie durch paranoide Staatsbeamte und Manager.

3 Filmstücke, wobei das erste ein wenig konfus war, weil alles abgefrühstückt wurde, vom RFID Chip bis hin zu elektronischen Fingerabdrücken; meist unterlegt von zappeligen Trailern US-amerikanischer Kinofilme („Hilfe, meine Identität wurde geklaut“). Das dritte Stück über London: die Innenstadt ist flächendeckend kameraüberwacht; jetzt gibt es einen Pilotversuch, der das aus-dem-Fenster-schauen der 50er Jahre neu erfindet: Kameras in der Nachbarschaft übertragen Live-Bilder in einen Nachbarschafts-Verbrechens-Kanal; den kann jeder im Free-TV anschauen; der Zuschauer, der in der Glotze sieht, wie gerade die Nachbarin vergewaltigt wird, ruft eine Notfallnummer an.

Ein paar Banalitäten, mit dennoch weitreichenden Auswirkungen:
– es werden immer mehr Vorgänge als Daten erfasst und gespeichert
– jeder der irgendwas mit Computern macht, hinterläßt Spuren
– die Verarbeitungskapazität nimmt exp. zu
– die Verknüpfungsmöglichkeit von div. Techniken und Datenbeständen nimmt zu

Dagegen war doch die Volkszählung Anfang der 80er die reinste Datenschutzparty.

Sicherheit ist Freiheit: das ist Neusprech.

Eine Antwort auf „Little Brother und Big Brother“

  1. ja, diese Film-Trailer waren echt zappelig, movie-style aus der Retortenküche des etablierten Mediengenres, aber die Message – der Datensammelei mehr Aufmerksamkeit zu schenken – war richtig. Wünschenswert wäre vielleicht gewesen, dem Zuschauer mal zu erklären, was Leute, die quantitative Auswertungen großer Datenbestände machen, im Zuge des Data Mining so alles mit Daten machen können, um die die Message noch eindringlicher rüberzubringen, aber an der Stelle ist Fernsehen vermutlich überfordert.

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