JoesSuperGarden.com, die Relevanz und die Aufklärung

Was ist Relevanz? Ich denke, dass dieser Begriff stärker in den Mittelpunkt von Erwägungen über Journalismus rückt. Warum? Weil Relevanz als technisches Konstrukt kalkulierbar gemacht wurde. Und weil nun gefragt wird, ob auch Journalismus berechenbar ist. Zufall Heute (16.5.) bspw.: Miriam Meckel in der FAZ: „Geben wir dem Zufall eine Chance“. Zunächst ein Lamento über Algorithmen und Maschinen, die streng nach Vorschrift funktionieren. Das Wort „Relevanz“ kommt im Artikel nicht explizit vor, dennoch geht es hier im Grunde nicht wirklich um Zufall, sondern um Relevanz.
Kern des Artikels ist das Plädoyer für einen journalistischen Relevanzbegriff: Meckel nennt das „Soziale Fitnessfunktion“. Ein Medium wie die Zeitung macht es möglich, „dass der Zufall greift und wir etwas finden, von dem wir nicht wussten, dass es uns interessieren könnte“.
Weiter heißt es:

In der Contentfabrik von Demand Media sieht das anders aus: Tausende von schlechtbezahlten Menschen produzieren wie am Fließband Inhalte, die durch eine algorithmisch analysierte Nachfrage gesteuert werden. Oberstes Gebot: Der Inhalt muss bei Google gefunden werden können, dann lassen sich mit ihm Anzeigen verkaufen. Und wenn schon einmal vorab berechnet ist, wonach und wie die Menschen suchen, dann werden sie diese Inhalte auch finden. Ein perfektes Matching für Inhalteproduktion und Werbewirtschaft. Der Kunde kommt auch auf seine Kosten, denn er kriegt ja, was er will.
Alle Unbekannten in dieser Gleichung werden von vornherein herausgerechnet, und so entsteht ein endloser gleichförmiger Fluss von Mainstreaminhalten.

Demand Media arbeitet mit Hilfe von Relevanz-Algorithmen, d.h. mit einem technischen, aber nicht mit einem journalistischen Relevanzbegriff. Bei Pluck On Demand werden außerdem bestenfalls Nutzwertinhalte verteilt. Diese entziehen sich aber weitgehend einem klassischen journalistischen Relevanzbegriff: allgemeine gesellschaftliche Bedeutung, Allgemeininteresse, Neuigkeitswert. Und noch ein paar andere Faktoren, die auch der Kontingenz Raum geben, also entdeterminierend und im besten Falle aufklärerisch wirken. M.E. ist dieser journalistische Relevanzbegriff zudem von guter journalistischer Recherche abhängig. Ergänzend kann dann der Dialog mit den Nutzern hinzukommen, ein Schuss „Selbstaufklärung“ wie ich es mal oberflächlich nennen würde.

Die Inhalte bei „JoesSuperGarden“ (Beispiel bei Demand Media bzw. Pluck On Demand) erfüllen diese Voraussetzungen sicher nicht, sind also auch nicht als journalistisch zu klassifizieren.
Dennoch stehen diese sicherlich in einem Konkurrenzverhältnis zu journalistischen Inhalten.

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