Das netzwerk recherche (nr) ist sich anscheinend nicht klar über den Stellenwert der Online Recherche bzw. über den technischen Fortschritt insgesamt: Im neuesten Dokument, in den auf der Jahresversammlung am 15.6.07 in Hamburg verabschiedeten „Leitlinien für einen wirksamen Recherche-Journalismus“ heißt es:
(…) Der Kampf um die
Aufmerksamkeit des Publikums wird härter. Gleichzeitig bieten die neuen technischen
Entwicklungen neue Formen des Publizierens und neue Möglichkeiten und Quellen zur
Recherche. Online-Recherche kann andere Methoden der Recherche – insbesondere die
Recherche vor Ort – zwar nicht ersetzen, aber in einzelnen Themenfeldern bereichern.
Hier wird Online-Recherche also durchaus anerkannt und gewürdigt.
Ganz anders hört sich das in Präambel des Recherchekodex an, der den technischen Fortschritt geißelt.
Neue Technologien und
zunehmender ökonomischer Druck
gefährden den Journalismus. Um seine
Qualität und Unabhängigkeit zu sichern,
setzt sich das Netzwerk Recherche für
dieses Leitbild ein.
Neue Technologien? Was ist das? Internet, Computer, Fax, Schreibmaschine, Kugelschreiber, Tintenpatronenfüller? Hier kommt doch eigentlich eine diffuse Technikphobie zum tragen, die auch in 80er Jahren die Diskussion in Deutschland beherrschte, als die Redaktionen den PC eingeführt haben. „Neue Technologien gefährden den Journalismus.“ Das ist schon ziemlich starker Tobak.
