Nachtrag zur DGPuK Mitgliederversammlung, auf der die Entscheidung getroffen wurde, künftig mittels Mitgliederbeitrag zwei Fachmagazine (Medien- & Kommunikationswissenschaft und Publizistik) zu finanzieren und dafür keine Open Access Onlinezeitschrift einzurichten):
Diese inzwischen schon skandalumwitterte, dreistündige Mitgliederversammlung sorgt für Wirbel in der Blogosphäre: Jan Schmidt schreibt in seinem Bamblog:
Aus meiner Sicht eine unglaublich kurzsichtige Entscheidung. Die internationale Sichtbarkeit und Erreichbarkeit der hiesigen Kommunikationswissenschaft wird so um keinen Deut erhöht; über kurz oder lang wird ein Online-Journal kommen müssen, um den veränderten akademischen Publikations- und Rezeptionsweisen Rechnung zu tragen. Was es noch viel ärgerlicher macht: Jedes Mitglied unterstützt nun durch seinen erhöhten Beitrag zwei wirtschaftlich orientierte Verlage – das akademische Wissen, das aus Steuergeldern finanziert wird (indem das Verfassen von Artikeln und deren peer reviewing von uns Wissenschaftlern ohne zusätzliches Entgelt geleistet wird) bleibt kostenpflichtig und damit der Gesellschaft verschlossen [nebenbei: Ein schönes Beispiel, wie aus individuell rationalen Entscheidungen (Abo-Deal) ein kollektiv irrationales Ergebnis resultiert]
Was ist passiert? Die Mitgliederversammlung (oder das, was von ihr nach zwei Stunden noch übrig war) beschloss eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags („Zwangsabgabe“), um künftig jedes DGPuK-Mitglied mit einem Abo dieser beiden Zeitschriften versorgen zu können. Abgehängt wurde dagegen der Vorschlag eines offenen Online-Journals, das ebenfalls wissenschaftlichen Kriterien entsprochen hätte, das aber frei zugänglich und ohne Abo-Gebühren jedem Studierenden und Interessierten den Zugriff auf die Inhalte erlaubt hätte.
Dazu Peter Schumacher treffend:
Die ehrenwerte Wissenschaftsgesellschaft DGPuK tagt zurzeit in Bamberg. Am Vormittag erzählt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales von den Vorteilen frei und online verfügbaren Wissens. Abends entscheidet sich die Mitgliederversammlung dagegen, ein frei verfügbares Onlinejournal zu gründen. Stattdessen sollen die beiden Fachzeitschriften Publizistik und Medien & Kommunikationswissenschaft (Papieredition) dadurch gerettet werden, dass alle Mitglieder über deutlich höhere Mitgliedsbeiträge ein Zwangsabo bekommen.
Übrigens sieht sich jetzt kurioserweise der Halem Verlag durch diese steinzeitliche Entscheidung in die Zange genommen:
Pikant ist natürlich auch, dass man von uns erwartet, dass wir als Mitglied der DGPuK (der Herbert von Halem Verlag ist das erste Fördermitglied der DGPuK) diesen Status quo mit finanzieren.
Wir arbeiten seit einiger Zeit an Online-Konzepten, die eine solche Online-Zeitschrift beinhalten. Aufgrund der aktuellen Situation werden wir ggf. Schwerpunkte des Konzeptes anders setzen, um eine Online-Zeitschrift möglichst bald anbieten zu können.
Alles in allem hat sich die DGPuK mal wieder als reformunwillige alte Tante gezeigt, die zwar über fortschrittliche Phänomene gerne diskutiert und sich damit schmückt (siehe Keynote Jimmy Wales), aber letztlich nicht bereit ist, ihre starren Formen zu lockern. Warum eigentlich nicht? Vielleicht aus der alten Angst, nicht als „richtiges“ Fachgebiet wahrgenommen zu werden? Diese Zeiten sollten doch längst vorbei sein.
Als positives Beispiel kann ich hier die DGOF (Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung) anführen. Sie unterstützt seit dem vergangenen Jahr die Zeitschrift „Internet Science“, die völlig frei zugänglich ist.

Na so richtig ist ja die DGOF-Zeitschrift auch noch nicht aus den Startlöchern gekommen…