Journalisten 2009 und eine Entzauberung

Für das Magazin des BJV habe ich eine Sonderauswertung unserer Journalistenstudie (Befragung der Bevölkerung zum Journalismus) für Bayern gemacht; unsere Zahlen lassen sich nämlich u.a. nach Bundesländern auswerten. Insgesamt hatten wir Antworten von 983 Personen, aus Bayern kamen 175 Personen. Im Unterschied zur Gesamtbevölkerung ergaben sich für Bayern einige signifikante Unterschiede – Beispiel: die Rangfolge der angesehensten Medienangebote: den ersten Platz belegt in Bayern „Die Zeit“, Platz 2 der „Focus“, den dritten Rang teilt sich die “SZ” mit dem “Spiegel”. Im Bund kam hingegen der “Spiegel” auf Rang 1, gefolgt von “Zeit” und “FAZ”.
Ganz neu erschienen ist im UVK Verlag jetzt eine weitere Studie mit gleichem Fokus: Donsbach aus Dresden kam wohl auf die gleiche Idee, die Bevölkerung zu Journalisten und Journalismus zu befragen, finanziert wurde das Ganze von einem katholischen Institut. Damit erklären sich nun auch einige gereizte Reaktionen auf die Veröffentlichung unserer eigenen Studie. Jetzt bin ich mal auf den Vergleich der Befunde gespannt. Übrigens: Wir wussten nicht vor März 2009 vom Donsbach’schen Projekt.
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Zeitung 2020: Wikipedia- oder TAZ-Modell?

4. Süddeutscher Journalistentag, gerstern im BR in München: Podium zur Entwicklung der Zeitung (Kilz, Weischenberg, Welker): eine kleine, subjektive Zusammenfassung:

  • Zeitung ist nicht generell in der Krise, H. W. Kilz sieht bspw. für die SZ keine
  • Schwieriger ist die Lage bei Regionalzeitungen
  • Internet bzw. Veränderung in der Struktur der Öffentlichkeit ist ein wesentlicher Grund für die Veränderungen, denen sich Ztg. gegenübergestellt sieht
  • Journalismus muss sich darauf einstellen, u.a. mit einer erweiterten funktionalen Palette: vom Gatekeeper zum Gatewatcher
  • Kilz: Qualität hat ihren Preis; Weischeberg: kein Dumping-Journalismus!
  • Welker: Warum nicht das Wikipedia- (bzw. US-amerik. Public Radio-) Modell für guten, kritischen Regionalzeitungsjournalismus: Leser spenden jeweils in eine regionale Stiftung?
  • Weischenberg: Warum nicht über eine öffentlich-rechtliche Zeitung nachdenken, wie sie Habermas (in der SZ) vorgeschlagen hat?
  • Kilz: Grundversorgung und Zeitung passen nicht ganz zusammen!
  • Auditorium: Warum nicht das TAZ-Modell: Leser zu Genossen!?
  • –> Zeitung in 10 Jahren?

  • Kilz: Zeitung muss Überraschendes, Neues bringen, sonst wird sie verzichtbar
  • Weischenberg: Zeitung und Online wird sich noch stärker verzahnen
  • Journalismus in der Zeitung wird in Zukunft regionaler, erzählender, kommentierender, einordnender sein
  • Hervorragend war unsere Moderatorin, Sissi Pitzer, die stringent und kompetent durch die Fragen führte. Das Podium war sehr gut besucht (ich schätze ca. 200 Hörer), viele mussten stehen.

    Wozu Zeitung,

    fragt das Magazin der SZ diese Woche und stellt gleich auch die Frage nach der Zukunft des Journalismus. Eine eindeutige Antwort auf diese Fragen gibt es natürlich genausowenig wie eine Patentlösung für die Zeitungskrise, die sich in den USA derzeit am heftigsten austobt. Weiterlesen