Der Spiegel beschreibt meine Woche

Cover Spiegel Special 3/2007
Heute morgen blättere ich das neue Spiegel Special auf – und ich lese eine perfekte Inhaltsangabe meiner eigenen Woche. Auf S. 20/21 heißt es im Artikel <<"Verpiss dich du Schlampe": Pöbeleien, Lügen, Morddrohungen - der Ton in Internet-Journalen ist rau.>>

“Doch aus dem Versuch, ein paar Fakten richtig zu stellen, wird in Blogs manchmal ganz schnell ein Krieg. [...] Wie zwei Blogger sich ineinander verbeißen, zeigt beispielhaft die Fehde zwischen dem Medienjournalisten Peter Turi und dem Buch- und Blog-Autor Rainer Meyer alias Don Alphonso. Sie fallen seit Jahren immer wieder einmal verbal übereinander her [...] Die Angst, von Anwälten für die eigenen Blog-Einträge oder Leserkommentare belangt zu werden, wächst unter deutschen Bloggern. Im März hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Betreiber von Internet-Foren für Beleidigungen durch Dritte haften [...] So lange einige Blogger die Regeln des guten Benehmens missachten, werden manche Konflikte so eskalieren.”

Insofern war das, was wir in unserem Grundseminar “Journalismus und Web 2.0″ gerade erlebt haben, durchaus doch lebensechter Anschauungsunterricht. Ohne das gut zu heißen.

Insgesamt ist das Special ein spannendes Heft. Nur eine Frage bleib nach der Lektüre für mich noch offen: Was ist eigentlich der “Methusalem-Effekt”? :)

FAZ schöpft aus Internet-Quellen

Nach meiner (bis jetzt noch nicht systematisch empirisch gestützten, sondern nur vereinzelt gemachten) Beobachtung nehmen die Quellennennungen in Bezug auf das Internet bei der eher konservativ orientierten FAZ zu; ich bilde mir ein, das auf der ersten Seite beobachten zu können. Gestern (26. Juni) war wieder so ein Tag: In einem Kasten die erzählte Geschichte über ein angebliches Handy-Video über eine angebliche iranische Steinigung einer jungen Frau. Die FAZ weist nun nach, dass der Film eigentlich zu einem anderen Ereignis passt, nämlich zu einer Tötung im Irak. Quelle des Nachweises sind CNN-Aufnahmen von diesem grausigen Ereignis – nachzuschauen auf YouTube. Der Artikel, der das Videoportal als Quelle nennt, geht auf Seite 2 noch ein Stückchen weiter.
FAZ
Ebenfalls auf S. 1 der gleichen Ausgabe: Ein Aufmacher über die Internetnutzung in Deutschland. Der neue Internet Atlas von TNS. In diesem Artikel ist das Internet dann aber nicht mehr Quelle sondern lediglich Gegenstand./

Kontrastprogramm: Thomas Gigold zu Gast im Seminar

Gelungen und erhellend war die Sitzung letzten Montag, bei der Thomas Gigold von medienrauschen zu Gast war. Seinen Auftritt empfand ich als sehr kompetent und höflich. Schwerpunktthema war die Finanzierung von Blogs und neue Möglichkeiten: von Event-Blogs über Adical bis hin zu Trigami. Hier eine kurze Zusammenfassung von TG’s Aussagen als Memo:

“Blogs können Themen bedienen, die von traditionellen Medien nicht abgedeckt werden. Blogs sind eine Erweiterung des Journalimus und nicht dessen Verdrängung. Blogs können die Interaktion mit dem Leser trainieren. Das geht nicht mehr im Journalismus: Die Nase hoch. Blogs leben davon, dass Sie meinungsfreudig sind. Unterhaltungswert von Blogs steht über dem in normalen journalistischen Produkten. Normaler nachrichtenjournalismus wird hoffentlich auch in Zukunft neutral bleiben. In Tageszeitungen wird erzählender Journalimus in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Frage ist nicht ob Blogger sich finanzieren können, sondern wie sie es tun.”

Dreckschweine, Kunstfiguren und Anwälte

oder: wie funktioniert die blogbar. Nochmal ein Nachklapp, obwohl es mir zum Hals raushängtdiese “Debatte” so fruchtbar ist wie eine Salzwüste.

Seit einigen Tagen rast eine Schlammlawine durch die Blogosphäre. Losgetreten hat sie DA, der in unserem Seminar Gast war. Die Wirkung ist die, die Schlammlawinen halt so haben: sie begraben alles, was im Weg ist, reißen Unschuldiges mit und blubbern dann solange aus, bis auch noch der letzte Dorfdepp schlammige Füße bekommen hat. Stoppen kann sie keiner.
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Neuer CIP-Pool der KMW kommt

Der Computerpool der Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig wird zum kommenden Wintersemester komplett erneuert. Wir werden – wenn alles gut geht – bis Oktober nagelneue hybride Mac-Windows-Maschinen haben – was auch Zeit wird, wenn man den alten Pool sieht. Jörg Land und ich hatten den Investionsantrag im Auftrag des Instituts gestellt (mehrere Aktenordner) – jetzt wurde die Summe von 170.000 Euro vom sächsischen Wissenschaftsministerium genehmigt.
Intel Mac
Heute haben wir mit dem Beschaffungsamt der Uni gesprochen – der Einrichtung bis zum WS steht eigentlich nichts mehr im Wege.

Das Experiment geht weiter …

und der “Patient” muss reanimiert in die nächste Runde. Nein, die Rede ist nicht vom “Krankenhaus am Rande der Stadt” oder von der Sachsenklinik, sondern von unserem kleinen Seminar am Rande der Blogosphäre, das einen ersten (und ultimativen?) Stresstest hinter sich gebracht hat.

Am kommenden Montag wird also Thomas Gigold von Medienrauschen zu Gast sein.

Der Ton in Medienwatchblogs

Werden etablierte Medien in Medienwatchblogs in rüder Sprache angegriffen bzw. diskreditiert? Das war eine Forschungsfrage von Katja Schönherrs Dipl.-Arbeit zu Medienwatchblogs. Im Prinzip nein, lautet die Antwort. Die Inhaltsanalyse der sechs untersuchten Medienwatchblogs (Bildblog, Dailyerror, Spiegelkritik, Zeit/Meckern, Österreich-Blog, Krone-Blog) ergab, dass rund drei Viertel aller Einträge als “sachlich” einzustufen sind. Ich zitiere:

Reichlich drei Viertel der 359 kritisierenden Einträge sind insofern als sachlich einzustufen, als dass sich in ihnen keine Beleidungungen finden ließen.

Und ergänzend dazu: Medienwatchblogs bemühen sich, konstruktive Kritik zu üben. Mit Hilfe eines Konstruktivitätsindexes wurde gemessen, ob Verbesserungshinweise für das kritisierte Phänomen gemacht wurden. Bildblog schloss dabei am besten ab. Sie hatten in immerhin fast 25% der Fälle ausformulierte Vervesserungsvorschläge gemacht.

Gedanken zur Nacht

Ökonomie der Beschimpfung

Ist der Preis der Unabhängigkeit die verbale Mobilmachung? Blogger können, wenn Sie nicht an ein Medium gebunden sind, formal und organisatorisch ja ziemlich unabhängig arbeiten, aber um nicht aufmerksamkeitsmäßig unterzugehen, müssen sie vielleicht sprachlich in die Vollen gehen: ist das die Logik der Blogosphäre? Jeder muss so viele Tabus wie möglich verletzen, quasi zuschlagen was das Zeug hält, eine Ökonomie der verbalen Brutalomanie.

Hmmm – vielleicht doch zu negativ :)

Don “hau-drauf” Alphonso war da

Es war schon starker Tobak, den Don Alphonso den live bloggenden Teilnehmern unseres Seminars Web 2.0 am Montag in die Tastaturen diktierte; ziemlich pauschal und ziemlich krawallig, aber – so meine Einschätzung – durchaus kalkuliert. Bereit für eine zünftige verbale Wirtshausrandale, schien dennoch eine polierte Professionalität auf, die Hinweise lieferte, wie der Erfolg des Bloggers Don Alphonso zu Stande kommt: Immer schön locker, aber in der Hinterhand ein paar gute Anwälte, die bei Bedarf die Drecksarbeit machen können.
/Bild von Don Alphonso wurde wieder entfernt/
Die Seminarteilnehmer jedenfalls waren teilweise extrem angenervt
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Little Brother und Big Brother

Themenabend bei ARTE: Über die informatorische Überwachung und die zunehmende Gefährdung der Demokratie durch paranoide Staatsbeamte und Manager.

3 Filmstücke, wobei das erste ein wenig konfus war, weil alles abgefrühstückt wurde, vom RFID Chip bis hin zu elektronischen Fingerabdrücken; meist unterlegt von zappeligen Trailern US-amerikanischer Kinofilme (“Hilfe, meine Identität wurde geklaut”). Das dritte Stück über London: die Innenstadt ist flächendeckend kameraüberwacht; jetzt gibt es einen Pilotversuch, der das aus-dem-Fenster-schauen der 50er Jahre neu erfindet: Kameras in der Nachbarschaft übertragen Live-Bilder in einen Nachbarschafts-Verbrechens-Kanal; den kann jeder im Free-TV anschauen; der Zuschauer, der in der Glotze sieht, wie gerade die Nachbarin vergewaltigt wird, ruft eine Notfallnummer an.

Ein paar Banalitäten, mit dennoch weitreichenden Auswirkungen:
- es werden immer mehr Vorgänge als Daten erfasst und gespeichert
- jeder der irgendwas mit Computern macht, hinterläßt Spuren
- die Verarbeitungskapazität nimmt exp. zu
- die Verknüpfungsmöglichkeit von div. Techniken und Datenbeständen nimmt zu

Dagegen war doch die Volkszählung Anfang der 80er die reinste Datenschutzparty.

Sicherheit ist Freiheit: das ist Neusprech.